Die Zeitung ein alter Zopf? Mitnichten mag sich Modeschöpfer Karl Lagerfeld gedacht haben. So übernahm er am 7. Februar 2012 die Chefredaktion für die weltweiten Ausgaben der Gratiszeitung „Metro“. Damit steht er seinem Kollegen Jean Paul Gaultier in nichts nach, der im Juni 2011 in der französischen Zeitung Libération mit einer ganz speziellen Modestrecke für Aufmerksamkeit sorgte.

Die Franzosen sind berühmt für Design, Stil und Geschmack. Kein Wunder also, dass sie die Druckwelt als Künstlertreff entdecken. Modedesign steht für optische Attraktivität, Linienführung, Aktualität und Zeitgeist – Merkmale einer guten Zeitung in Layout, Redaktion und Produktion. Die Mode wie der Journalismus sind ein Kulturgut ersten Ranges, das sich über Aufmerksamkeit zu den Menschen verkauft. Und eine Metro-Ausgabe mit Lagerfeld sorgt für Aufsehen.fashion3

Metro im Pariser Chic

Entsprechend stolz verkündete die Zeitungsgruppe Metro internationaler S.A. („Metro“) ihren Chefredakteur für die Ausgabe des 7. Februar 2012: Karl Lagerfeld. Der Modepapst und Fotograf hatte die redaktionelle Aufsicht über Metros weltweite Ausgaben, 22 an der Zahl. Er wählte die Schlagzeilen aus, bebilderte die Nachrichten und arbeitete eng mit den Herausgebern zusammen. Der Couturier verbrachte den Tag in der Pariser Nachrichtenredaktion, wo er sich mit exklusiven Zeichnungen zum Weltgeschehen ins Layout einbrachte und zum Tag Stellung nahm. „To me, a sketch is like a newspaper. You do it – and the next day you’re on to a new one,“ beschrieb er den Reiz an der Aufgabe. Das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen, ganz nach dem nicht unbescheidenen Aktionsmotto „The World According to Karl“. Lagerfelds neue Kollektion wurde in der Metro-Ausgabe natürlich ausgiebig präsentiert. Es war nicht der erste Ausflug Lagerfelds in eine Zeitungsredaktion. Bereits im Jahr 2010 betätigte er sich bei der französischen Libération als Gast-Chefredakteur. So wie im Juni 2011 sein Modekollege Jean Paul Gaultier.

Haute-Couture-Zeitung

Vom Zeitungs- zum Kleiderständer: Der Modedesigner Gaultier schickte am 14. Juni 2011 die Redaktion und die Macher der Libération auf den gedruckten Laufsteg – in Zeitungen gehüllt, versteht sich. Für eine Themenstrecke hatte Gaultier den Verlagsmitarbeitern außergewöhnliche Kleidungsstücke aus Zeitungen auf den Leib geschneidert und sie im Stil moderner Modefotografie abgelichtet. Meister Gaultier beherrscht in langer Zeitungsrobe die Titelseite, die Vertriebschefin zeigt halbseitig auf Seite zwei Bein im kleinen schulterfreien Papierkleid, ihr gegenüber auf Seite drei steht der Politikchef in einer kurzen, ärmellosen Zeitungsweste und der Chefredakteur trägt auf Seite fünf wenig mehr als Hut und Schirm aus Zeitungsseiten. Die übrigen der insgesamt 25 Haute-Couture-Kreationen finden sich, ebenfalls teils seitenhoch, in der Ausgabe oder angeordnet wie auf einem Kontaktbogen auf den hinteren Seiten. Anlass für diese extravagante Art der Berichterstattung war eine Gaultier-Retrospektive im renommierten Museé des beaux-arts in Montreal. Außerdem hat die linksliberale Libération bereits Erfahrung mit der Kurzzeit-Integration Prominenter in die redaktionelle Arbeit. Auch Carla Bruni, die Gattin des französischen Präsidenten, war bereits Chefredakteurin für eine Ausgabe.

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Maschinengemachte Fantasien

Auch die Druckmaschine selbst ist bei Künstlern beliebt. Wo sonst Models lachend durch Kornfelder hüpfen oder sich am Strand räkeln, ging das indische Frauenmagazin Femina einen anderen Weg. Es suchte einen Shooting-Ort, der ideal zur Modekollektion mit Metall und Leder passte. Fündig wurde man mit einer manroland-Zeitungsrotation, der COLORMAN bei der Times of India. Die Models posieren vor der Maschine, auf der Galerie und riesigen Papierrollen. „The fusion of metallics with leather designs fashion´s tryst with the future,“ erklären die Modeexperten von Femina.